
Die Jungpferdezeit des PRE: Aufzucht und Vorbereitung von 1 bis 3 Jahren
Die Zeit zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr ist für einen Pura Raza Española mehr als nur eine Wartezeit bis zum Anreiten. Es sind die goldenen Jahre, in denen das Fundament für sein gesamtes Leben als Reitpferd gelegt wird: für Vertrauen, Gesundheit und Leistungsbereitschaft.
Viele Besitzer fühlen sich in dieser Phase unsicher: Fördere ich genug? Überfordere ich vielleicht? Die Fülle an allgemeinen Ratgebern zur Jungpferdeausbildung ist groß, doch sie übersehen oft die entscheidenden Besonderheiten, die einen PRE ausmachen.
Dieser Leitfaden ist speziell auf die einzigartige körperliche und mentale Entwicklung des PRE zugeschnitten und bietet Ihnen eine klare, chronologische Orientierung. Sie erfahren, wie Sie in jeder Phase die richtigen Impulse setzen, um aus Ihrem Jungpferd einen selbstbewussten und mental starken Partner zu formen.
Der PRE als Jährling: Das Fundament des Vertrauens
Im ersten Lebensjahr steht vor allem eines im Mittelpunkt: der Aufbau einer stabilen und vertrauensvollen Beziehung. Jede Interaktion ist eine Lektion. Der Jährling lernt, ob der Mensch ein sicherer Hafen ist, dem er sich angstfrei anschließen kann.

Die körperliche Entwicklung verläuft in dieser Phase rasant. Knochen, Sehnen und Bänder sind noch weich und entsprechend anfällig für Fehlbelastungen. Gezieltes Training wäre hier nicht nur verfrüht, sondern schädlich. Die wichtigste Förderung besteht daher in einer artgerechten Herdenhaltung, in der das Pferd sein Sozialverhalten lernt und sich frei bewegen kann.
Ihre Aufgaben als Besitzer:
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Das Fohlen-ABC festigen: Machen Sie Halfterführigkeit, Anbinden, Hufegeben und die grundlegende Körperpflege zur entspannten Routine. Jede Einheit bleibt kurz und endet immer mit einer positiven Erfahrung.
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Respekt und Raum etablieren: Der junge PRE muss lernen, den persönlichen Raum des Menschen zu respektieren. Sanfte, aber konsequente Korrekturen, wie ein ruhiges Zurückweichenlassen, sind entscheidend für die Sicherheit.
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Die Welt zeigen: Kurze Spaziergänge an der Hand auf unterschiedlichen Böden oder das Kennenlernen harmloser Gegenstände fördern die Neugier und bauen Ängste ab. Es geht ums Erleben, nicht ums Leisten.
In dieser Phase legen Sie den Grundstein dafür, die einzigartigen Charakterzüge des PRE – seine Sensibilität, Intelligenz und Kooperationsbereitschaft – zu verstehen und zu fördern.
Der PRE als Zweijähriger: Gemeinsam die Welt erkunden
Mit zwei Jahren ist der PRE oft schon eine imposante Erscheinung, doch innerlich bleibt er ein Kind. Die Neugier wächst, aber auch die Tendenz, Grenzen auszutesten. In dieser Zeit suchen viele Besitzer nach konkreten Anleitungen für die Bodenarbeit. Genau hier liegt die Chance, aber auch die Gefahr: Es geht nicht darum, möglichst viele Lektionen abzuarbeiten, sondern die Koordination und das Körperbewusstsein des Pferdes zu schulen.

Die Trainingseinheiten bleiben kurz (10–15 Minuten), werden aber strukturierter.
Sinnvolle Übungen in dieser Phase:
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Führtraining mit Variation: Präzises Anhalten, Rückwärtsrichten, Tempowechsel und das Führen auf Abstand schulen die Aufmerksamkeit und die Reaktion auf feine Signale.
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Einfache Stangenarbeit: Im Schritt über Stangen zu treten, fördert die Koordination, regt zum Nachdenken an und ist eine exzellente Vorbereitung für die spätere gymnastizierende Arbeit.
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Gewöhnung an Hindernisse: Eine flatternde Plane, ein Podest oder ein Engpass sind keine Zirkuslektionen, sondern wertvolle Übungen, die das Selbstvertrauen stärken und den jungen PRE lehren, Probleme gemeinsam mit Ihnen zu lösen.
Die „Flegelphase“ ist bei vielen Zweijährigen normal. Reagieren Sie darauf nicht mit Härte, sondern mit ruhiger, klarer Führung. Jedes „Testen“ ist eine Frage des Pferdes nach seiner Position in der Rangordnung. Ihre souveräne Antwort festigt Ihre Rolle als verlässlicher Anführer.
Der PRE als Dreijähriger: Vorbereitung auf das Leben als Reitpferd
Im dritten Lebensjahr rückt die gezielte Vorbereitung auf die spätere Aufgabe in den Fokus. Das Pferd ist körperlich reifer, die Wachstumsfugen beginnen sich zu schließen. Nun gilt es, die Muskulatur aufzubauen, die es braucht, um später das Reitergewicht gesund tragen zu können. An diesem Punkt wird das theoretische Wissen über die Anatomie des Andalusiers zur praktischen Notwendigkeit.

Die Arbeit wird gymnastizierender, aber immer noch ohne Reitergewicht.
Schlüsselelemente der Vorbereitung:
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Beginn der Longenarbeit: Zunächst ohne Ausbinder lernt der PRE, sich auf einer gebogenen Linie auszubalancieren. Der Fokus liegt auf Takt und Losgelassenheit, nicht auf einer erzwungenen Kopfhaltung.
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Einführung von Sattel und Trense: Gewöhnen Sie Ihr Pferd schrittweise und ohne Druck an die Ausrüstung. Der Sattel wird zunächst nur aufgelegt, später kurz gegurtet. Das Gebiss wird anfangs nur für wenige Minuten ins Maul genommen. Das Ziel ist eine neutrale bis positive Verknüpfung.
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Erste Arbeit an der Hand: Seitengänge wie das Schenkelweichen bereiten das Pferd auf die späteren Hilfen unter dem Sattel vor und fördern die so wichtige Rumpfmuskulatur – die gerade beim eher kurzen Rücken des PRE entscheidend ist.
Hetzen Sie diesen Prozess niemals. Ein Pferd, das mit drei Jahren angeritten wird, ist nicht „weiter“ als eines, das erst mit vier Jahren unter den Sattel kommt – es ist oft nur schlechter vorbereitet. Geben Sie Ihrem PRE die Zeit, die er braucht, um mental und physisch für diesen nächsten Schritt bereit zu sein.
Rassenspezifische Besonderheiten des jungen PRE
Gängige Ratgeber für Jungpferde sind oft auf Warmblüter ausgelegt. Der PRE bringt jedoch Eigenschaften mit, die eine angepasste Herangehensweise erfordern. Ihn nach einem Standardschema auszubilden, wird seinem Potenzial nicht gerecht.
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Intelligenz und Sensibilität: Ein PRE lernt extrem schnell – Gutes wie Schlechtes. Stumpfe Wiederholungen langweilen und frustrieren ihn. Sorgen Sie daher für Abwechslung und loben Sie jeden Fortschritt. Seine feine Wahrnehmung erfordert einen ebenso feinfühligen Ausbilder.
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Natürliche Versammlungsbereitschaft: Viele PRE bieten von Natur aus eine hohe Aufrichtung an. Dies darf nicht mit echter Tragkraft verwechselt werden. Fördern Sie in der Jungpferdezeit bewusst das Gegenteil: das Vorwärts-Abwärts, das den Rücken aufwölbt und eine korrekte Oberlinie entwickelt. Ohne diese Grundlage wird die spätere Versammlung zu einer Belastung für die Vorhand.
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Das berühmte „Brio“: Der innere Stolz und das Feuer des PRE sind legendär. In der Ausbildung geht es darum, dieses Brio nicht zu unterdrücken, sondern ihm eine konstruktive Richtung zu geben. Kanalisieren Sie seine Energie in Vorwärtsdenken und Arbeitsfreude, anstatt sie durch zu viel Druck in Spannung zu verwandeln.
Diese rassetypischen Merkmale machen den PRE zu einem einzigartigen Partner, stellen aber später auch besondere Anforderungen an die Ausrüstung. Die beste Vorbereitung am Boden kann die Notwendigkeit für einen Sattel, der auf die spezielle Morphologie des Pferdes zugeschnitten ist, nicht ersetzen. Deshalb ist die Wahl des passenden Sattels für den Andalusier eine Entscheidung fürs Leben, mit der Sie sich frühzeitig auseinandersetzen sollten.

Häufig gestellte Fragen zur PRE-Jungpferdezeit
Frage 1: Mein zweijähriger PRE ist extrem verspielt und testet ständig. Mache ich etwas falsch?
Nein, dieses Verhalten ist absolut normal und ein Zeichen für eine gesunde Entwicklung. Wichtig ist, dass Sie ruhig und konsequent bleiben. Setzen Sie klare Grenzen, ohne emotional oder grob zu werden. Sehen Sie es als einen Dialog, in dem Ihr Pferd die Regeln der Zusammenarbeit lernt.
Frage 2: Ab wann kann ich meinen PRE anreiten?
Die körperliche Entwicklung ist entscheidender als das genaue Alter. Die meisten PRE sind erst mit etwa vier Jahren so weit, dass die Wachstumsfugen weitgehend geschlossen sind und die Muskulatur bereit ist, das Reitergewicht zu tragen. Ein zu frühes Anreiten birgt erhebliche Risiken für Spätschäden am Bewegungsapparat. Geduld ist hier die beste Investition in die Zukunft Ihres Pferdes.
Frage 3: Wie lange sollten die Trainingseinheiten sein?
Die Konzentrationsspanne eines jungen Pferdes ist kurz. Beginnen Sie bei einem Jährling mit Einheiten von 5 bis 10 Minuten und steigern Sie die Dauer langsam auf maximal 15 bis 20 Minuten für einen Dreijährigen. Es ist immer besser, eine kurze, positive Lektion zu beenden, als das Pferd mental oder körperlich zu überfordern.
Ihr Partner fürs Leben
Die Zeit, die Sie in den ersten drei Jahren in die Ausbildung Ihres PRE investieren, ist unbezahlbar. Sie schaffen nicht nur die körperlichen Voraussetzungen für ein langes, gesundes Reitpferdeleben, sondern bauen eine Partnerschaft auf, die auf Vertrauen, Respekt und gegenseitigem Verständnis beruht.
Jeder einzelne Schritt auf diesem Weg, von der ersten Führaufgabe bis zur Gewöhnung an den Sattel, ist ein Baustein für die Zukunft. Genießen Sie diese prägende Phase und die Entwicklung Ihres jungen Andalusiers zu einem charakterstarken, zuverlässigen Partner. Die Geduld, die Sie heute aufbringen, wird Ihnen Ihr Pferd ein Leben lang mit Arbeitsfreude und Verlässlichkeit danken.